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Was für ein Sommer

Für diesen Kommentar in der heutigen WELT muss ich in den Kommentaren auf Welt Online richtig Prügel einstecken. Hätte ich lieber von meiner tiefen Betroffenheit und der inneren Einkehr schreiben sollen?

Wie sollen wir bloß mit ihm zurechtkommen – mit diesem Sommer 2010? Während sich Deutschland fast vollzählig und fröhlich vor dem WM-Fernseher versammelt, flutet im Hintergrund ein offenbar nicht zu stopfendes Loch den Golf von Mexiko mit Öl. Die Ölpest vor Chinas Küste scheint dieses katastrophale Ausmaß noch zu übertreffen.

Während wir optimistisch die aufmunternden Konjunkturzahlen aus der deutschen Wirtschaft genießen, scheint der Rest der Welt in apokalyptischen Wassermassen zu versinken. 15 Millionen Menschen sind in Pakistan von der Naturkatastrophe betroffen. Auch in Indien steigt täglich die Zahl der Opfer. In Sachsen verschlimmert sich die Hochwassersituation. Drei Menschen sterben in ihrem Keller.

Für diesen Kommentar in der heutigen WELT habe ich mir richtig Prügel in den Kommentaren uf Welt Online abgeholt. Vielleicht hätte ich doch lieber von tiefer Betroffenheit und innerer Einkehr schreiben sollen. Aber ich wollte ja bei der Wahrheit bleiben…

Während sich in Deutschland drei Viertel der Menschen von den Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise nicht betroffen fühlen, brennen in Russland die Wälder, der Weizen und sogar die torfigen Böden. Der giftige Qualm zieht bedrohlich über den Roten Platz in Moskau.

Und während viele Deutsche an den Stränden oder in den Bergen ihren Urlaub genießen, werden in Afghanistan christliche Helfer und Ärzte von den Taliban ermordet. Und in Duisburg sterben 21 junge Leute auf der Loveparade, viele werden verletzt.

Ein Foto aus Regensburg führt uns den Zwiespalt dieses Sommers vor Augen: Fröhliche Menschen sitzen in einem Biergarten und genießen ihren freien Samstag. Ein paar Meter hinter ihnen gurgeln, nur durch einen Damm getrennt, die Wassermassen der Hochwasser führenden Donau. Sie lassen sich nicht stören, unterhalten sich, trinken ihr Bier, lachen, scherzen.

Menschen sind in der Lage, negative Gedanken und Gefühle auszublenden. Sie nehmen die Krisen, Katastrophen und Desaster zur Kenntnis – und können im nächsten Augenblick zur Tagesordnung übergehen. Das ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Denn nur mithilfe dieser Kraft kommen wir mit ihm zurecht – mit diesem ungewöhnlichen Sommer 2010.

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