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Die Freiheitsmaschine

Haben Sie auch das Gefühl, dass sich die Welt immer schneller dreht? Wird Ihnen davon schwindelig? Uns erreichen immer mehr Informationen, immer mehr Daten. Ein ständiges Rauschen, ein nie versiegender Strom von Emails, Textnachrichten, Anrufen. Den ganzen Tag. Ohne Pause. Woche für Woche. Jahr für Jahr. Und dann auch noch die unheimliche Macht des Internets mit seinen ständigen Versuchungen: Blogs, Netzwerke, Chatrooms, Diskussionsforen. Allergrößtes Ablenkungspotenzial? Und eine große Herausforderung. Wer soll das alles beherrschen? Wer soll sich noch auskennen? Früher hatte man doch noch Auszeiten. Oder? Ein paar Stunden am Tag ohne Telefon, weil es noch keine Handys gab. Ein paar Wochen Urlaub ohne ständige Erreichbarkeit. Jetzt hängen wir doch alle an der langen Leine des Büros, der Familie, der Eltern. Ängstliche Fragen: Werden wir längst von den Umständen beherrscht? Reagieren wir nur noch? Sind wir nicht mehr Herr unserer Entscheidungen? Wird unser Gehirn verkümmern? Wird unsere Freiheit immer mehr eingeschränkt?

Keine Angst! Ich kann Sie an beruhigen. Glauben Sie kein Wort davon. Auch wenn es mittlerweile Dutzende Bücher und Magazinbeiträge und Titelgeschichten gibt, die vor den vielfältigen Gefahren des Informationszeitalters warnen. Da gibt es gefährliche Viren, die unsere Computer kaputt machen. Mit Phishing-Atacken werden unsere Bankkonten ausgespäht und abgeräumt. Das ganze Netz ist voller Gewalt, Sex und politischem Wahnsinn. Es drohe Spielsucht, Internetsucht, Vereinsamung oder wenigstens eine ungeheure Zeitverschwendung. Die Datensammelwut der Behörden und Soziale Netzwerke machen uns zu gläsernen Bürgern. Und Computer führen jetzt sogar Kriege. Woher kommt die Tendenz – besonders in Deutschland – den technischen Fortschritt häufig nur als Risiko und Ungemach zu sehen? Sogar als Gefahr für unsere bürgerlichen Freiheiten.

Dabei erleben wir gerade eine technische Revolution, die die weltweite Kommunikation und damit unser gesamtes Leben dramatisch verändern und meistens verbessern wird. Wir sind zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit in der Lage, mit allen anderen Menschen auf diesem Planeten in Echtzeit zu kommunizieren. Solange sie im Besitz eines Computers sind. Aber wir reden häufig nur über die nervende, blinkende Lampen, die anzeigen, dass sich schon wieder ein paar neue Emails, Tweets oder Blogeinträge im Postfach befinden. Und über unser Unwohlsein durch all die anderen störenden, digitalen Herausforderungen. Woher kommt dieses Selbstmitleid, diese Wehleidigkeit?

In Wahrheit dreht sich die Welt gar nicht schneller. Wir bekommen nur sehr viel mehr davon mit, was auf dieser Welt passiert. Und das ist doch ein großer Fortschritt. Wir erleben gerade, wie die Realität Stück für Stück in der digitalen Welt abgebildet wird. Das kann schon schwindelig machen. Städte, Straßen und Häuser sind in Google Streetview sichtbar. Menschen und Freundschaften finden ihre Repräsentation auf Facebook und in anderen Sozialen Netzwerken. Unsere digitalen Freunde sind durch unsere Smartphones immer bei uns. Reale Orte werden in Diensten wie Foursquare zu digitalen Orten. Bücher, Zeitungen, Magazine, Bilder, Musik – alles findet seine digitale Entsprechung und wird damit auch universell verfügbar. Das virtuelle Netz, das sich wie ein feiner Schleier über die reale Welt legt, wird von Sekunde zu Sekunde dichter. Und wir alle wirken daran mit.

Das Internet ist für jeden leicht zu beherrschen. Bereits Kinder sind dazu in der Lage. Lehrer übrigens leider oft nicht. Mit dem Internet halten wir ein mächtiges, ein dramatisches Instrument in unseren Händen. Jeder Mensch ist mit jedem Menschen auf dieser Erde verbunden. Jeder kann mit jedem kommunizieren. In Wort, Bild, Video, Musik oder Kunst. Jeder Mensch hat die Möglichkeit, der restlichen Menschheit seine Gedanken, Ideen und Vorstellungen mitzuteilen. Nebenbei steht uns das gesamte Weltwissen in Sekundenbruchteilen zur Verfügung. Es unterstützt uns dabei, bessere Entscheidungen zu treffen. Ein Klick genügt. Das war noch vor wenigen Jahren unvorstellbar.

Das ist die gute Nachricht: Das Internet macht uns zu freieren Menschen. Die Freiheit des Willens beruht auf der Fähigkeit, vor dem Handeln innezuhalten und zu überlegen, was man in der jeweiligen Situation tun sollte, welche Gründe für die eine oder andere Alternative sprechen. Das schreibt der englische Philosoph John Locke. Je mehr Informationen uns zur Verfügung stehen, desto freier werden wir also in unseren Entscheidungen sein. Noch nie in der Menschheitsgeschichte standen dem einzelnen Menschen mehr Informationen zur Verfügung. Ungeachtet seines Standes oder seines Reichtums. Fangen wir an, diesen Umstand zu genießen. Eine schlechte Nachricht gibt es allerdings auch: Freiheit ist anstrengend. Freiheit geht uns auf die Nerven, weil sie uns fordert. Weil sie uns verantwortlich macht für unsere Handlungen und Entscheidungen. Wie viel einfacher ist es, einfach alles so zu erledigen, wie es uns jemand vorschreibt, als selber verantwortlich Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Um uns aus dem Strom des unendlichen digitalen Rauschens die wichtigen Informationen zu klauben, müssen wir allerdings aktiv werden. Es gibt zahllose Filtermechanismen, die das zuverlässig erledigen. Die muss man kennen und benutzen. Das ist anstrengend. Und diese nervöse, kleine Lampe, die anzeigt, dass eine neue Email eingetroffen ist, kann man übrigens auch abstellen. Ganz einfach.

Lernen wir also, das Internet als Instrument unserer persönlichen Freiheit zu nutzen. Gestalten wir aktiv die unendlichen Möglichkeiten. Stellen wir uns den Herausforderungen. Wir müssen lernen, wie es funktioniert, denn das Netz wird nie wieder verschwinden. Egal, wie sehr wir uns nach den guten, alten, ruhigen Zeiten sehnen. Wir werden nie wieder in Ruhe gelassen. Windstille Inseln im schäumenden Meer der unendlichen Datenströme müssen wir uns selber schaffen. Was wäre die Alternative? Auf Netz, Emails, Facebook und iPhone verzichten? Da draußen einfach alles klingeln, rauschen, flimmern und blinken lassen? Rückzug ins Private, Kapitulation – für einige vielleicht eine lebenswerte Variante. Bezahlt mit dem Verzicht auf persönliche Freiheit und der Möglichkeit, Dinge zu verändern. Die Welt da draußen dreht und bewegt sich nämlich auch dann weiter, wenn wir nicht hinsehen. So wie wir weiter Steuern zahlen müssen, wenn wir die Briefe vom Finanzamt einfach in den Papierkorb werfen. Es soll sogar hin und wieder Emails geben, die von einem freundlichen Absender stammen, der einen Anspruch auf eine schnelle, persönliche Reaktion hat.

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Kategorien:Uncategorized
  1. 19. Februar 2013 um 5:09 am

    How long did it take you to compose “Die Freiheitsmaschine Frank
    Schmiechen”? It boasts quite a bit of very good information and facts.
    With thanks ,Mozelle

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